Leitmerkmalsmethode Ziehen und Schieben

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Ermitteln maximal empfohlener Lastgewichte mit der Leitmerkmalmethode Ziehen und Schieben

Vorbemerkungen zum Arbeitsblatt

Zweck und Anwendung

Das Verfahren gestattet die Bewertung von Lastenmanipulationen beim Heben, Halten und Tragen von Lasten. Die LMM-ZS wurde von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin in Verbindung mit dem Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik erarbeitet. Sie ist als Beitrag zur praxisgerechten Umsetzung der Lastenhandhabungsverordnung (LastenhandhabV) (nationale Umsetzung von 90/269/EWG) anzusehen. Die LMM-ZS dient der orientierenden Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Ziehen und Schieben von Lasten. LMM-ZS liegt in einer Testversion vom Sept. 2002 vor. Weitere Informationen, Formblätter und Online-Programme finden Sie auch auf der BAuA-homepage “Praxis” zum Thema “Manuelle Lastenhandhabung” (linke Spalte).

Siehe auch: www.baua.de/prax/index.htm

Geltungsbereich

Das Verfahren wendet sich an den Arbeitsgestalter ebenso wie an der Arbeitgeber. Es versetzt den Arbeitgeber branchenunabhängig in die Lage, Lastenmanipulationen am Arbeitsplatz (in Form von Ziehen und Schieben) zu beurteilen, Gestaltungsdefizite zu erkennen und präventiv (gestalterisch oder organisatorisch) tätig zu werden. Damit bietet die LMM-ZS die Möglichkeit, den Verpflichtungen der Lastenhandhabungsverordnung nachzukommen.

Hinweise zum Arbeitsblatt

Verfahrensablauf

Zuerst erfolgt die Erfassung und Dokumentation der fünf Leitmerkmale:

  • Zeitdauer/Häufigkeit,
  • Zu bewegende Masse/Flurförderzeug,
  • Positioniergenauigkeit/Bewegungsgeschwindigkeit,
  • Körperhaltung
  • Ausführungsbedingungen

Anschließend wird aus den Einschätzungen dieser Leitmerkmale ein Risikowert errechnet, der Werte von 2 bis ca. 80 annehmen kann. Rein rechnerisch sind höhere Punktwerte möglich, praktisch jedoch nicht erreichbar. Dabei gelten Werte bis 25 als praktisch sicher, Werte oberhalb 50 als stark risikobehaftet. Im Bereich von 25 bis 50 ist die Risikoabschätzung unter Berücksichtigung der individuellen Belastbarkeit der Beschäftigten vorzunehmen.

1. Schritt: Bestimmung der Zeitwichtung

Die Bestimmung der Zeitwichtung erfolgt anhand der Tabelle getrennt für Ziehen und Schieben über kurze Distanzen mit häufigem Anhalten und Ziehen und Schieben über längere Distanzen. Beim Ziehen und Schieben über kurze Distanzen mit häufigem Anhalten wird die Häufigkeit zugrunde gelegt. Beim Ziehen und Schieben über längere Distanzen wird der Gesamtweg zugrunde gelegt. Der Grenzwert des Einzelweges von 5 m ist hierbei als grobe Hilfestellung anzusehen. Im Zweifelsfall sollte danach entschieden werden, welches Kriterium häufiger vorkommt: Anfahren und Abbremsen oder längeranhaltendes Ziehen.

2. Schritt: Bestimmung der Wichtung von

  • Masse,
  • Positioniergenauigkeit
  • Geschwindigkeit
  • Körperhaltung
  • Ausführungsbedingungen

Zu bewegende Masse

Die Bestimmung erfolgt anhand der Tabelle unter Berücksichtigung der zu bewegenden Masse (Gewicht von Fördermittel plus Ladung) und der Art des Transportes (Flurförderzeug, Hilfsmittel). Sehr häufig werden deichsellose Wagen mit Rollen verwendet. Hierbei ist zwischen (lenkbaren) Lenkrollen und (nicht lenkbaren) Bockrollen unterschieden. Werden im Verlauf der zu beurteilenden Teiltätigkeit unterschiedliche Lasten gehandhabt, so kann ein Mittelwert gebildet werden. Zum Vergleich können auch Spitzenlastwerte verwendet werden. Dann muss jedoch die geringere Häufigkeit dieser Spitzen zugrunde gelegt werden, auf keinen Fall die Gesamthäufigkeit.

Positioniergenauigkeit und Bewegungsgeschwindigkeit

Die Bestimmung erfolgt anhand der Tabelle. Die Bewegungsgeschwindigkeit „schnell“ entspricht dem normalen Gehen. Sollten in Sonderfällen deutlich schnellere Bewegungen vorliegen, kann die Tabelle sinngemäß erweitert und eine 4 bzw. 8 vergeben werden. Interpolationen sind zulässig.

Körperhaltung

Die Bestimmung der Körperhaltungswichtung erfolgt anhand der Piktogramme in der Tabelle. Es sind die für die Teiltätigkeit charakteristischen Körperhaltungen beim Handhaben der Lasten zu verwenden. Werden unterschiedliche Körperhaltungen eingenommen, so kann ein Mittelwert aus den Haltungswichtungen für die zu beurteilende Teiltätigkeit gebildet werden.

Ausführungsbedingungen

Zur Bestimmung der Ausführungsbedingungswichtung sind die zeitlich überwiegenden Ausführungsbedingungen zu verwenden. Gelegentlicher Diskomfort ohne sicherheitstechnische Bedeutung ist nicht zu berücksichtigen.

3. Schritt: Die Bewertung

Die Bewertung jeder Teiltätigkeit erfolgt anhand eines teiltätigkeitsbezogenen Punktwertes (Berechnung durch Addition der Wichtungen der Leitmerkmale und Multiplikation mit der Zeitwichtung). Wenn Frauen diese Tätigkeit ausführen, wird der Punktwert mit dem Faktor 1,3 multipliziert. Hierbei ist berücksichtigt, dass Frauen im Durchschnitt etwa 2/3 der physischen Leistungsfähigkeit von Männern besitzen. Bewertungsgrundlage ist die Wahrscheinlichkeit einer gesundheitlichen Schädigung. Art und Höhe des Schadens werden dabei nicht näher definiert. Berücksichtigt sind biomechanische und physiologische Wirkungsmechanismen in Verbindung mit Dosismodellen. Es gilt, dass die interne Belastung des Muskel-Skelett-Systems entscheidend von den aufzubringenden Körperkräften abhängt. Diese Körperkräfte werden vom Gewicht des zu bewegenden Gegenstandes, den Beschleunigungswerten und den Fahrwiderständen bestimmt. Ungünstige Körperhaltungen und steigende Belastungsdauer und/oder -häufigkeit, erhöhen die interne Belastung. Die Hinweise im grauen Feld auf Seite 2 des Formblattes sind zu beachten.

  • Zusammenfassende Bewertungen bei mehreren Teiltätigkeiten sind problematisch, da sie über die Aussagefähigkeit dieser orientierenden Analyse hinausgehen. Sie erfordern in der Regel weitergehende arbeitsanalytische Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung.
  • Ableitbare Gestaltungsnotwendigkeiten
  • Aus dieser Gefährdungsabschätzung sind sofort Gestaltungsnotwendigkeiten und -ansätze erkennbar. Grundsätzlich sind die Ursachen hoher Wichtungen zu beseitigen.
  • Im einzelnen sind das:
    • bei hoher Zeitwichtung organisatorische Regelungen,
    • bei hoher Massewichtung die Reduzierung des Lastgewichtes oder der Einsatz geeigneterer Flurförderzeuge,
    • bei hohen Wichtungen der Bewegungsgeschwindigkeit und Positioniergenauigkeit die Verwendung von Radführungen und Anschlagpuffern bzw. Verringerung des Arbeitspensums und
    • bei hoher Haltungswichtungen die Verbesserung der Arbeitsplatzgestaltung .
  • Die Ausführungsbedingungen sollten immer „gut” sein.