Leitmerkmalsmethode Heben, Halten, Tragen

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Ermitteln maximal empfohlener Lastgewichte mit der Leitmerkmalmethode Heben, Halten, Tragen (LMM-HHT)

Vorbemerkungen zum Arbeitsblatt

Zweck und Anwendung

Das Verfahren gestattet die Bewertung von Lastenmanipulationen beim Heben, Halten und Tragen von Lasten. Die LMM-HHT wurde von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin in Verbindung mit dem Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik erarbeitet. Sie ist als Beitrag zur praxisgerechten Umsetzung der Lastenhandhabungsverordnung (LastenhandhabV) (nationale Umsetzung von 90/269/EWG) anzusehen. Die LMM-HHT dient der orientierenden Beurteilung der Arbeitsbedingungen beim Heben, Halten und Tragen von Lasten. Nach einer Test- und Validierungsphase liegt die LMM-HHT in der überarbeiteten Version von 2001 vor. Weitere Informationen, Formblätter und Online-Programme finden Sie auch auf der BAuA-homepage “Praxis” zum Thema “Manuelle Lastenhandhabung” (linke Spalte).

Siehe auch: www.baua.de/prax/index.htm

Geltungsbereich

Das Verfahren wendet sich an den Arbeitsgestalter ebenso wie an der Arbeitgeber. Es versetzt den Arbeitgeber branchenunabhängig in die Lage, Lastenmanipulationen am Arbeitsplatz (in Form von Heben, Halten und Tragen) zu beurteilen, Gestaltungsdefizite zu erkennen und präventiv (gestalterisch oder organisatorisch) tätig zu werden. Damit bietet die LMM-HHT die Möglichkeit, den Verpflichtungen der Lastenhandhabungsverordnung nachzukommen.

Hinweise zum Arbeitsblatt

Verfahrensablauf

Zuerst erfolgt die Erfassung und Dokumentation der vier Leitmerkmale

  • Zeitdauer/Häufigkeit
  • Lastgewicht
  • Körperhaltung
  • Ausführungsbedingungen

Anschließend wird aus den Einschätzungen dieser Leitmerkmale ein Risikowert errechnet, der Werte von 2 bis ca. 80 annehmen kann. Rein rechnerisch sind höhere Punktwerte möglich, praktisch jedoch nicht erreichbar. Dabei gelten Werte bis 25 als praktisch sicher, Werte oberhalb 50 als stark risikobehaftet. Im Bereich von 25 bis 50 ist die Risikoabschätzung unter Berücksichtigung der individuellen Belastbarkeit der Beschäftigten vorzunehmen.

1. Schritt: Bestimmung der Zeitwichtung

Die Bestimmung der Zeitwichtung erfolgt anhand der Tabelle getrennt für drei mögliche Formen der Lastenhandhabung:

  • Für Teiltätigkeiten, die durch regelmäßiges Wiederholen kurzer Hebe-, Absenk- oder Umsetzvorgänge gekennzeichnet sind, ist die Anzahl der Vorgänge bestimmend für die Zeitwichtung.
  • Für Teiltätigkeiten, die durch Halten einer Last gekennzeichnet sind, wird die Gesamtdauer des Haltens zugrunde gelegt.
  • Gesamtdauer = Anzahl der Haltevorgänge x Dauer für einen einzelnen Haltevorgang
  • Für Teiltätigkeiten, die durch Tragen einer Last gekennzeichnet sind, wird der Gesamtweg, der mit Last gegangen wird, zugrunde gelegt. Dabei wird eine mittlere Geschwindigkeit beim Laufen von 4 km/h – 1 m/s angenommen.

2. Schritt: Bestimmung der Wichtung von

  • Last
  • Haltung
  • Ausführung

Lastgewicht

Die Bestimmung der Lastwichtung erfolgt anhand der Tabelle getrennt für Männer und Frauen.

  • Werden im Verlauf der zu beurteilenden Teiltätigkeit unterschiedliche Lasten gehandhabt, so kann ein Mittelwert gebildet werden, sofern die größte Einzellast bei Männern 40 kg und bei Frauen 25 kg nicht überschreitet. Zum Vergleich können auch Spitzenlastwerte verwendet werden. Dann muss jedoch die verringerte Häufigkeit dieser Spitzen zugrunde gelegt werden, auf keinen Fall die Gesamthäufigkeit.
  • Bei Hebe-/Halte-/Trage-/Absetztätigkeiten ist die wirksame Last zugrunde zu legen. Mit der wirksamen Last ist die Gewichtskraft gemeint, die der Beschäftigte tatsächlich ausgleichen muss. Die Last ist somit nicht immer gleich dem Gewicht des Gegenstandes. Beim Kippen eines Kartons wirken nur etwa 50 % des Kartongewichtes.
  • Beim Ziehen und Schieben von Lasten ist eine gesonderte Beurteilung erforderlich.

Körperhaltung

Die Bestimmung der Körperhaltungswichtung erfolgt anhand der Piktogramme in der Tabelle. Es sind die für die Teiltätigkeit charakteristischen Körperhaltungen beim Handhaben der Lasten zu verwenden. Werden als Folge des Arbeitsfortschritts unterschiedliche Körperhaltungen eingenommen, so kann ein Mittelwert aus den Haltungswichtungen für die zu beurteilende Teiltätigkeit gebildet werden.

Ausführung

Zur Bestimmung der Ausführungsbedingungswichtung sind die zeitlich überwiegenden Ausführungsbedingungen zu verwenden. Gelegentlicher Diskomfort ohne sicherheitstechnische Bedeutung ist nicht zu berücksichtigen. Sicherheitsrelevante Merkmale sind im Textfeld „Überprüfung des Arbeitsplatzes aus sonstigen Gründen"zu dokumentieren.

3. Schritt: Die Bewertung

Die Bewertung jeder Teiltätigkeit erfolgt anhand eines teiltätigkeitsbezogenen Punktwertes (Berechnung durch Addition der Wichtungen der Leitmerkmale und Multiplikation mit der Zeitwichtung).

  • Bewertungsgrundlage sind psychophysische, physiologische und biomechanische Engpassbetrachtungen.
  • Zusammenfassende Bewertungen bei mehreren Teiltätigkeiten sind problematisch, da sie über die Aussagefähigkeit dieser orientierenden Analyse hinausgehen. Sie erfordern in der Regel weitergehende arbeitsanalytische Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung.
  • Aus dieser Gefährdungsabschätzung sind sofort Gestaltungsnotwendigkeiten und -ansätze erkennbar. Grundätzlich sind die Ursachen hoher Wichtungen zu beseitigen. Im einzelnen sind das bei hoher Zeitwichtung organisatorische Regelungen, bei hoher Lastwichtung die Reduzierung des Lastgewichtes oder der Einsatz von Hebehilfen und bei hoher Haltungswichtungen die Verbesserung der Arbeitsplatzgestaltung.