Digitalisierung und Vernetzung

Informationen zu unserem Forschungsschwerpunkt

Digitalisierung beinhaltet die Umwandlung analoger zu digitaler Daten (digitizing). Dies führt zu neuen technologischen Möglichkeiten. Daten können nun transportiert und auf unterschiedlichen Medien abgerufen werden, der Grundstein für eine digitale Vernetzung ist gelegt (Hess, 2013). Durch die Vernetzung ergeben sich weitreichende Veränderungsprozesse (digitalisation). Dies hat Auswirkungen auf Mensch, soziotechnische Systeme, Gesellschaft und Wirtschaft (Baxter & Sommerville, 2011; BMWi, 2015). Der Veränderungsprozess beinhaltet Mobilisierung, Flexibilität und Transparenz im beruflichen wie im privaten Kontext.

Aus arbeitswissenschaftlicher Sicht ergeben sich folgende Fragestellungen, die aktuell erforscht werden:

• Welche Auswirkungen ergeben sich aus dem Adaptionsprozess zwischen Mensch (Arbeitsperson, Nutzer), Technologie (Arbeitsmittel, Produkte) und Organisation?

• Wie sieht die Entwicklung und Gestaltung für Schnittstellen zwischen Mensch, Technologie und Organisation aus?

Der Mensch wird hierbei sowohl als Arbeitsperson innerhalb eines Arbeitssystems als auch als Nutzer von Produkten verstanden. Er ist sowohl Mittelpunkt als auch Ausgangspunkt der Gestaltung digitaler Systeme.

Forschungsschwerpunkt Produktergonomie

Ziele des Forschungsschwerpunkts

Der Forschungsschwerpunkt Digitalisierung und Vernetzung möchte diesen Herausforderungen begegnen. Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts haben sich in Interessensgruppen zusammengeschlossen und arbeiten gemeinsam an folgenden Themen:

Physische und psychische Belastungen:

Digitalisierung und Vernetzung verändern Arbeitsmittel und Aufgaben. So können z.B. Unterstützungssysteme eingeführt werden um Mitarbeiter bei ihren Tätigkeiten zu assistieren und kontextsensitiv Informationen bereitzustellen. Diese Systeme haben wieder Auswirkungen auf physische und psychische Belastungen, welche es näher zu betrachten gilt.

Mensch-Maschine-Interaktion:

Daten und Informationen werden über digitale Medien abgerufen und verarbeitet. Zusätzlich werden neue Interaktionssysteme entwickelt, wie z.B. kollaborative Roboter oder adaptive (automatisiert anpassende) Technologien. In diesem Kontext auftretende Fragestellungen betreffen Akzeptanz, Vertrauen und Emotionen bei der Interaktion zwischen Mensch und Technik.

Datenverarbeitung und Datenpreisgabe:

Digitalisierung und Vernetzung geht mit der Verarbeitung großer Datenmengen einher. Dies können prozessbezogene Daten sein, aber auch personenbezogene Daten. Die Anwendungsszenarien sind hierbei sehr breit und reichen vom automatisierten Fahrzeug über die Nutzung mitarbeiterbezogener Daten in der Produktion bis hin zur Verwendung von Wearables zur Gesundheitsförderung und –prävention. Neben datensicherheits- und datenschutzrelevanten Rahmenbedingungen, die es bei der Verarbeitung von Daten zu beachten gibt, spielt auch die Datenpreisgabe eine große Rolle.

Der Forschungsschwerpunkt und Künstliche Intelligenz

Die Forschungsthemen der Interessensgruppen sind getrieben von neuartigen Technologien und Innovationen, die im Rahmen der Digitalisierungs- und Vernetzungsbestrebungen entstehen. Eine aktuelle Technologie ist die Kombination von Maschinen oder Assistenzsystemen und künstlicher Intelligenz (KI). Unter künstlicher Intelligenz versteht die Interessengruppen eine lernende bzw. agierende Technik, die sich selbstständig über die Zeit verändert. Für den Forschungsschwerpunkt ist vor allem die sogenannte schwache KI interessant, also Systeme, die adaptiv auf Situationen reagieren können, sich aber nicht völlig selbstständig weiterentwickeln, sondern Dateneingaben durch Sensorik oder einen Nutzer benötigen. In allen Interessengruppen spielt das Thema KI eine Rolle. Durch die Nutzung von KI bei Assistenzsystemen ergeben sich zusätzliche Veränderungen vor allem der psychischen Belastungen (z.B. Tunnelblick). Auch die Interaktion und Akzeptanz bzgl. Künstlicher Intelligenz ist ein spannendes Untersuchungsfeld. Da die schwache KI auf die Verarbeitung von personenbezogenen Informationen zur Weiterentwicklung angewiesen ist, ergeben sich auch hier interessante Fragestellungen bzgl. Datenverarbeitung und Datenpreisgabe.

Quellen:

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) (2015): Industrie 4.0 und Digitale Wirtschaft: Impulse für Wachstum, Beschäftigung und Innovation. Berlin.

Baxter, G., Sommerville, I. (2011). Socio-technical systems: From design methods to systems engineering. Interacting with computers, 23(1), 4–17.

Hess, T. (2013). Digitalisierung. Verfügbar unter: http://www.enzyklopaedie-der-wirtschaftsinformatik.de/lexikon/technologien-methoden/Informatik--Grundlagen/digitalisierung/index.html/ (Abruf am 21.05.2019).

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