Kooperationsprogramm zu normativen Management von Belastungen und Risiken bei körperlicher Arbeit

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Kooperationsprogramm zu normativen Management von Belastungen und Risiken bei körperlicher Arbeit

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Hintergrund

Wachsender Kostendruck, Qualitätsanspruch und Variantenvielfalt führen in Industrieunternehmen zu einem hohen Anspannungsgrad für Produkt- und Produktionsplanung. In diesem Kontext fällt bereits die Berücksichtigung der gesetzlichen Arbeitsschutzbestimmungen nicht immer leicht. Umso wichtiger ist es, darüber hinausgehende Ansätze zur (Primär-)Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) in bestehende betriebliche Abläufe und Strukturen zu integrieren. Doch bislang fehlten Unternehmen noch konkrete Ansätze und Instrumente (Ghezel-Ahmadi et al., 2007).

Ziel des Projektes KoBRA – Kooperationsprogramm zu normativem Management von Belastungen und Risiken bei körperlicher Arbeit war es vor diesem Hintergrund, ein Konzept für die Verbreitung und Implementierung ergonomischen Anwendungswissens in betriebliche Prozesse bereitzustellen. Im Fokus stand dabei die ergonomische Arbeitsgestaltung in Produktionsbereichen der Automobil- und Zulieferindustrie sowie vergleichbarer Industriezweige mit typischen, muskulo-sklettalen Belastungskonstellationen. Als Ausgangspunkt diente ein erfahrungsbasiertes Modell, das von der Einführung von Verfahren zur Beurteilung physischer Belastungen bis hin zu einer Produkt- und Produktionsplanung reicht, die auch die Fähigkeiten von Mitarbeitern berücksichtigt (vgl. Abb. 1) (Bruder et al., 2008).

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Modulares Konzept zur Integration ergonomischer Arbeitsgestaltung in betriebliche Abläufe

Projektumfeld und Projektpartner

KoBRA wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen des Modellprogramms zur Bekämpfung arbeitsbedingter Erkrankungen von Juli 2007 bis Dezember 2010 gefördert und von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fachlich begleitet. Es war eines von drei Projekten im Förderschwerpunkt 2007: „Belastungen des Muskel-Skelett-Systems bei der Arbeit – integrative Präventionsansätze praktisch umsetzen" und wurde vom Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) und dem Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) mit entsprechender Expertise unterstützt.

In Teilprojekten mit der Adam Opel AG, der Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG, der Daimler AG, der Robert Bosch GmbH und der ZF Sachs AG wurde erprobt und herausgearbeitet, wie eine vorausschauende Arbeitsgestaltung von Produktions- und Logistikarbeitsplätzen gefördert und in vorhandenen Abläufen stärker verankert werden kann.

Fachleute aus der Berufsgenossenschaft Metall Nord-Süd, der Maschinenbau- und Metall-Berufsgenossenschaft, dem RKW Kompetenzzentrum Eschborn, dem Verband der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg (Südwestmetall), dem Werksarztzentrum Borghorst-Burgsteinfurt und dem AOK Institut für Gesundheitsconsulting sorgten in der unternehmensübergreifenden Interventionseinheit für die Berücksichtigung der Bedarfe auch kleinerer Unternehmen.

Ergebnisse

Mit der Handlungshilfe liegt eine ausführliche Anleitung zur Systematisierung ergonomischer Arbeitsgestaltung und ihrer Integration in betriebliche Abläufe vor. Das erfahrungsbasierte Ausgangsmodell wurde im Projekt weiterentwickelt und ergänzt. Das Modell eignet sich, ergonomische Arbeitsgestaltung in ihrer Tiefe darzustellen und als Grundelement der Primärprävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen zu vermitteln. Dieser Effekt wird mit dem zuletzt im Projekt erstellten Audit-Konzept und seiner Operationalisieren in einem Selbstbewertungsbogen weiter unterstützt.

Bei den konkreten Interventionen wurde deutlich, dass vorhandene Verfahren zur Belastungsbewertung für eine einfache, flächendeckende Bewertung noch nicht ausreichten. Im Bereich der Module 1 und 2 konnte hier unter anderem mit dem Grob-Screening-Verfahren AWSlight und dem für die Bewertung gemischter Lastenhandhabungstätigkeiten aus den Leitmerkmalmethoden weiterentwickelten Multiple-Lasten- Tool ergänzende Ansätze entwickelt und zur weiteren Praxistestung veröffentlicht werden. Für den Einsatz in einer frühen Planungsphase (Modul 3) wurde in einem ersten Ansatz eine sogenannte Schwellenwerttabelle konzipiert. Die Analyse und Optimierung des Planungsprozesses wird in einem ausführlichen und um eine Analysevorlage ergänzten Anleitungsteil innerhalb der Handlungshilfe beschrieben.

Für weitere Informationen nutzen Sie die bereitgestellten Downloads bzw. die Internetseite zum Projekt: www.kobra-projekt.de.

Publikationen

Bruder, R.; Kugler, M.; Sinn-Behrendt, A.; Schaub, K.; Ghezel-Ahmadi, K.; Feith, A.: Introduction of Ergonomics into Production Development Process: An Approach. In: 2nd International Conference on Applied Human Factors and Ergonomics (AHFE), July 14th-17th 2008, Las Vegas (NV, USA)

Ghezel-Ahmadi, K.; Schaub, K.; Sinn-Behrendt, A.; Mauerhoff, A.; Feith, A: Arbeitsbezogene Belastungen des Muskel-Skelett-Systems – innovative und integrative Präventionsansätze, 2007.

Kugler, M.; Bierwirth, M.; Schaub, K.; Bruder, R.: Ergonomie in der Produktionsplanung. In: Technische Sicherheit, 1 (3) 2011, S. 46-50

Kugler, M.; Bierwirth, M.; Schaub, K.; Sinn-Behrendt, A.; Feith, A.; Ghezel-Ahmadi, K.; Bruder, R.: Ergonomie in der Industrie – aber wie? Handlungshilfe für den schrittweisen Aufbau eines einfachen Ergonomiemanagements, Darmstadt: Institut für Arbeitswissenschaft der TU Darmstadt 2010. URL: www.kobra-projekt.de/page/handlungshilfe

Kugler, M.; Schaub, K.; Sinn-Behrendt, A.; Ghezel-Ahmadi, K.; Bierwirth, M. : Primärprävention durch konzeptive Ergonomie. Das Projekt KoBRA am Beispiel eines Unternehmensteilprojektes. In: 55. Kongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft (GfA), 04. – 06. März 2009, Dortmund. GfA-Press, Dortmund.

Sinn-Behrendt, A.; Schaub, K. ; Storz, W. : Ergo-FWS: Ein ergonomisches Frühwarnsystem und seine Anwendung in der Praxiss. In: 53. Arbeitswissenschaftlichen Kongress. Bericht zum 53. Arbeitswissenschaftlichen Kongress vom 28.2-2.3.2007 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, S. 493-496 .