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ErgoKita – Prävention von Muskel-Skeletterkrankungen bei Erzieherinnen und Erziehern in Kindertageseinrichtungen

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Hintergrund

Im Beruf der Erzieher/innen spielen neben den psychischen und sozialen Belastungen auch körperliche Anforderungen eine Rolle. Dazu zählen z. B. ungünstige Körperhaltungen während der Arbeit, bedingt durch fehlende erwachsenengerechte Arbeitsmittel bzw. Möbel, Heben und Tragen, eine hohe Sprechbelastung und Lärm.

Als Folge dieser Situation können u. a. Beschwerden wie Rückenschmerzen, Nervosität, Kopfschmerzen sowie »Stress« oder Komponenten des Burnout-Syndroms entstehen. Da aber nur gesunde, zufriedene und leistungsfähige Beschäftigte eine gute Betreuungsarbeit für Kinder leisten können, muss die Gesundheit der Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen nicht nur erhalten, sondern auch gefördert werden.

Projektpartner

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) beauftragte daher das Institut für Arbeitswissenschaft der Technischen Universität Darmstadt (IAD) sowie das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Goethe-Universität Frankfurt (ASU) mit dem Projekt ErgoKiTa–Prävention von Muskel-Skeletterkrankungen bei Erzieherinnen und Erziehern in Kindertageseinrichtungen. Die Durchführung wird durch das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) unterstützt und durch eine Expertengruppe aus Vertretern der Unfallkassen Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen und der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) begleitet. Das Projekt hat eine Laufzeit von 2,5 Jahren (01.06.2011 – 30.11.2013).

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Ziele

Mit der geplanten Untersuchung sollen Lösungsansätze zur Verbesserung der beruflichen und gesundheitlichen Situation der Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen entwickelt und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Das Projekt soll folgende Fragen beantworten:

  • Welche Belastungen treten bei der täglichen Arbeit in KiTas auf?
  • Welche Gestaltungsmöglichkeiten und individuellen Lösungsansätze gibt es?
  • Kann mit diesen Ansätzen eine Belastungsminderung erreicht werden?
  • Wie können diese Erkenntnisse in die vorschulische Erziehungspraxis übertragen werden?

Vorgehen

Zunächst werden die Rahmenbedingungen von Kindertageseinrichtungen (z. B. Betreuungsschlüssel, Altersstruktur in den betreuten Gruppen sowie Altersverteilung der Erzieherinnen/Erzieher, räumliche Ausstattung) in mehreren Bundesländern mithilfe von Fragebögen erhoben.

In einem nächsten Schritt werden die arbeitsplatzspezifischen Belastungen und Beanspruchungen des pädagogischen Personals in ausgewählten Kindertageseinrichtungen vor Ort ermittelt. Dabei werden Arbeitsablaufanalysen an den Arbeitsplätzen, Befragungen und physiologische Messungen (Körperbewegungen, -haltungen und -kräfte, Herzschlagfrequenz) während der Arbeit durchgeführt. Die Messungen werden zusätzlich durch Videoaufnahmen dokumentiert, so dass eine spätere Zuordnung der Belastungsmesswerte zu den entsprechenden Arbeitssituationen möglich ist. Parallel dazu wird eine Fremdeinschätzung der pädagogischen Qualität durchgeführt.

Anhand dieser Erkenntnisse werden mögliche Gestaltungsmaßnahmen und unterschiedliche Lösungsansätze nach Praktikabilität und Kosten erarbeitet. Mögliche Gestaltungsvorschläge werden in einem weiteren Workshop den Mitarbeiter/innen vorgestellt, und gemeinsam mit den Betroffenen wird deren Umsetzung geplant.

Die für die jeweiligen KiTas ausgewählten Lösungsansätze werden exemplarisch umgesetzt und in einem angemessenen Zeitabstand mit denselben Methoden wie vor der Intervention auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

Im Sinne einer nachhaltigen Wirkung der Studienergebnisse werden diese in einer stark praxisorientierten Fassung zugänglich gemacht, so dass sie z. B. in eine Handlungshilfe der DGUV übernommen werden und/oder in evtl. neu zu konzipierende Schulungen für die Zielgruppen (Erzieherinnen, Führungskräfte von KiTas, Arbeitnehmervertreter etc.) einfließen können. Sie können den KiTa-Trägern zur Verfügung gestellt werden sowie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung als Checkliste Verwendung finden.