Untersuchung Flugzeuge

Header Forschungsschwerpunkt Produktergonomie

Untersuchung des Komforts von Flugzeug- und Fahrzeugsitzen

Abbildung 1: Beispiel zur Beurteilung des ersten Eindrucks bei Sitz A (links) und B (rechts)
Abbildung 1: Beispiel zur Beurteilung des ersten Eindrucks bei Sitz A (links) und B (rechts)

Um der Forderung nach möglichst leichten und dennoch komfortablen Flugzeug- bzw. Fahrzeugsitzen nachzukommen, stellen Firmen neue Sitzkonzepte, -formen und -materialien vor. Die Frage nach Komfortuntersuchungen decken teilweise sehr unterschiedliche Fragestellungen ab: Es handelt sich um konkrete Fragen zu einer Komponente des Sitzes wie der Form der Rückenlehne oder der Breite der Armlehne bis zu generellen Fragen des Sitzkomfort insgesamt. Dabei werden die Nutzungszeit des Sitzes und die Gewohnheiten des Nutzers als entscheidender Faktor bei der Beurteilung von Sitzkomfort angesehen.

Das IAD hat im Rahmen mehrerer Studien eine Untersuchungsmethodik zur Beurteilung des Komforts von Flugzeug- und Fahrzeugsitzen entwickelt, die in unterschiedlichen Versuchen eingesetzt wurde.

Eine der Studien untersucht den Sitzkomfort und die Kundenakzeptanz eines neuen Konzeptes anhand zweier Varianten in einem Langzeittestsetting (135 min pro Durchgang). Die Daten wurden mit Hilfe von Fragebögen sowohl zum empfundenen Komfort als auch zum Diskomfort erhoben. Die Studie zeigte, dass sich die Komfortbewertungen trotz Zunahme der körperlichen Beschwerden (Diskomfort) über die gesamte Versuchsdauer hinweg systematisch (signifikant) verbesserten. Weiter wurde gezeigt, dass sich die beiden Varianten nur in der Beurteilung des Designs voneinander unterscheiden und die demographischen Unterschiede zwischen den Probanden nur selten einen nachweisbaren Einfluss auf die Bewertung haben. Das Konzept trifft insgesamt weitgehend auf Akzeptanz bei den Probanden, obschon Verbesserungspotential offensichtlich wird (Abb. 1).

In einer weiteren Studie wurden verschiedene Rückenlehnenkonturen von Flugzeug- bzw. Fahrzeugsitzen in Kombination mit verschiedenen Winkeln hinsichtlich des Komforts untersucht. Insgesamt haben 90 Probanden 14 verschiedene Sitz-Kombinationen jeweils mit einer Einsitzzeit von 105 Minuten getestet.

Während der Einsitzzeit wurden subjektive und objektive Kennwerte erhoben. Es wurde durch Fragebögen nach Komfort, Diskomfort und Druck gefragt. Durchgehend wurde durch Sitzdruckmatten die Druckverteilung aufgezeichnet (Abb. 2) und eine Reihe von Kennwerten aus den Daten gebildet.

Durch die statistische Auswertung konnte eine Reihe von allgemeinen Einflussfaktoren auf die Bewertung des Komforts identifiziert werden, wie beispielsweise die signifikant andere Beurteilung durch Geschlecht (Abb. 3), oder der Einfluss der Schulterhöhe auf die Bewertung von Komfort. Weitere Ergebnisse zeigten, dass manche Konturen nach subjektiven und objektiven Kriterien als nicht geeignet erschienen, während andere, unterschiedliche Ergebnisse zwischen subjektiven und objektiven Daten aufzeigten. Nur wenige Kombinationen hatten gleichzeitig die beste Probandenbeurteilung und positive Ergebnisse der objektiven Kennwerte.

Abbildung 2: Unterschiede in der Beurteilung des Komforts bei Männern und Frauen
Abbildung 2: Unterschiede in der Beurteilung des Komforts bei Männern und Frauen

Basierend auf den Ergebnissen der Studie konnten allgemeine Aussagen zu der Kombination von Winkeln und Konturen von Flugzeug- bzw. Fahrzeugsitzen abgeleitet werden. Zusätzlich wurde eine ganze Reihe von präzisen und wissenschaftlich begründeten Gestaltungsempfehlungen herausgearbeitet, um die Kombination von Kontur und Winkel dem Komfortempfinden verschiedener Benutzergruppen anzupassen.

Publikationen

  • Abendroth, B. ; Bruder, R.: Sitzkomfort – welchen Einfluss hat das Untersuchungsszenario auf die Bewertung? In: Neue Arbeits- und Lebenswelten gestalten, 56. Frühjahrskongress der GfA, 24. – 26. März 2010 in Darmstadt, Tagungsband. Dortmund: GfA-Press, S. 93-96