Untersuchung des Blickverhaltens

Header Forschungsschwerpunkt Produktergonomie

Untersuchung des Blickverhaltens von Fluglotsen bei der Einführung von neuen Kontroll-Tools und Arbeitsansätze

Abbildung 1: Blickbewegungshelm der Firma SMI
Abbildung 1: Blickbewegungshelm der Firma SMI

Bis zum Jahr 2015 wird mit einer Verdoppelung der Flugbewegungen im Bereich der Europäischen Flugsicherung gerechnet (Eurocontrol, 1999). Durch die Erhöhung des Verkehrsaufkommens in der Luft werden auch die Aufgaben in der Streckenflugkontrolle immer komplexer. Neue Konzepte im Luftverkehrsmanagement sind daher nötig, die unter Einbeziehung der neuen Verhältnisse denselben Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsstandards genügen wie zuvor.

Im Projekt „Mensch-Maschine-Interaktion in kooperativen Systemen der Flugsicherung und Flugführung" wurden Untersuchungen von neuen Kontroll-Tools wie z.B. der Bord/Boden Datenlink sowie von neuen Arbeitsansätze wie z.B. die Vergrößerung der kontrollierten Sektoren.

Die Auswirkungen dieser neuen Konzepte auf die Arbeit von Fluglotsen können durch Simulationen getestet werden. Die Analyse der Blickbewegungen liefert einen objektiven Einblick über die Verarbeitung von auf Monitoren dargestellten Informationen und Umgebung. Damit lassen sich Rückschlüsse auf die Aufmerksamkeitsverteilung der Lotsen ziehen und Arbeitsänderungen werden sichtbar gemacht.

Das Institut für Arbeitswissenschaft (IAD) unterstützte die Deutsche Flugsicherung (DFS) durch die Aufzeichnung und Analyse von Blickbewegungsdaten während mehrerer Serien von Simulationen.

In den Realzeitsimulationen (ca. 1 Stunde) im Forschungszentrum der DFS wurden Flugverkehrs-Szenarien durchgeführt, die auf den realen Verkehrsaufkommen in den verwendeten Luftraum-Sektoren basierten. Die „Runs" wurden in unterschiedliche Blöcke eingeteilt, in Abhängigkeit der Art der Konfiguration. Während der Runs wurde Blickbewegungsvideomaterial erhoben, die anschließend nach definierten Ereignissen, kodiert wurde (Abb. 2).

Abbildung 2: Beispiel von generellen (link) und detaillierten (recht) Ereignissen
Abbildung 2: Beispiel von generellen (link) und detaillierten (recht) Ereignissen

Ein Ergebnisse dieser Untersuchung zeigte, dass Data-Link eine sehr effiziente Alternative zu den bisherigen Kommunikationsmöglichkeiten per Sprechfunk ist (Abb.3). Der in der Blickbewegung registrierte erhöhte Zeitbedarf durch die Erteilung von Anweisungen per Data-Link, wird durch den Wegfall des zeitaufwändigen Sprechfunks kompensiert und setzt somit Kapazitäten der Lotsen für andere Tätigkeiten frei.

Weitere Ergebnisse bezüglich der Direct-Routing-Struktur und der auf Luftstraßen basierenden Luftraumstruktur zeigten, dass der Einsatz der Direct-Routing-Struktur nicht zu einer Entlastung der Fluglotsen führt, sondern lediglich zu einer Verschiebung derer Tätigkeiten (Abb. 4). Der reduzierte Aufwand durch aktive Eingriffe in den Flugverkehr wurde durch den Mehraufwand an Planung und der Informationsbeschaffung über den Flugverkehr ausgeglichen.

Veröffentlichungen

DIDIER, M., WILAMOWITZ-MOELLENDORF von, M., BRUDER, R. (2009). Ergonomic analysis of different computer tools to support the German Air Traffic Controllers. HCI International 2009 – Human Computer Interaction, San Diego. Berlin: Springer Verlag

WILAMOWITZ-MOELLENDORF von, M., DIDIER, M., BRUDER, R. (2007). Analyse der Fluglotsentätigkeit anhand von Blickbewegungsdaten. DGLR Bericht 2007-04, Simulationsgestützte Systemgestaltung. Bonn: DGLR e.V.

zurück