Gestalten für den Menschen

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Projekt „Wettbewerbsfähiger Flughafen", Luftfahrtforschungsprogramm IV des BMWi (2007-2008)

Die Tätigkeit der Tower-Lotsen zählt sicherlich zu den anspruchsvollen: Informationen aus mehreren Quellen (Funk, Systeme, Sicht aus dem Fenster) unter Zeitdruck und mit hoher Verantwortung integrieren, Entscheidungen treffen und den Luftverkehr sicher anleiten. Für die Gestaltung des Arbeitsplatzes und insbesondere der darin enthaltenen Human-Machine-Interfaces (HMI) stellt dies eine besondere Herausforderung dar. Veränderungen werden nur schrittweise und erst nach sorgfältiger Überprüfung und langem Training der Benutzer eingeführt. Trotzdem werden alte Systeme durch neue ersetzt und die Arbeitsplätze immer wieder an neue Anforderungen und Bedingungen angepasst. Eine arbeitswissen-schaftliche Begleitung stellt sicher, dass sich die Veränderungen positiv auf Arbeitsabläufe und den Bearbeiter auswirken und die Gestaltung tatsächlich für den Menschen erfolgt.

Mit diesem Hintergrund wurde im Rahmen des Verbundvorhabens „Wettbewerbsfähiger Flughafen" des 4. Luftfahrtforschungsprogramms (Lufo IV) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gemeinsam mit der DFS Deutschen Flugsicherung GmbH und delair Air Traffic Systems GmbH eine integriertes HMI für Tower-Lotsen entwickelt.

Gestalten für den Menschen – Entwicklung und Evaluation eines Arbeitsplatzes für Tower-Fluglotsen

Die enge Zusammenarbeit des interdisziplinären Teams aus Arbeitswissenschaftlern bzw. Psychologen, Designern, Ingenieuren und Fluglotsen hatte dabei besondere Vorteile: Die starke Integration der Benutzer während des gesamten Projektverlaufs gewährleistete eine gute Anpassung des HMI an die Bedürfnisse der späteren Benutzer und förderte gleichzeitig die Akzeptanz des entwickelten Systems.

Ein mehrstufiges Vorgehen ermöglichte neben einer fundierten Analyse der Ist-Situation und der Beschreibung von arbeitswissenschaftlichen Anforderungen an den Arbeitsplatz mehrere Iterationen im Gestaltungsprozess: Schon erste Konzepte für die HMI-Gestaltung wurden in Workshops evaluiert und entsprechend angepasst. In weiteren Prozessschritten entstanden Prototypen, die als Grundlage für 3D-Realzeit-simulationen im Tower-Simulator der Deutschen Flugsicherung dienten. Auf diese Weise wurden die HMIs auch unter nahezu realistischen Arbeitsbedingungen durch operative Lotsen getestet und optimiert. Neben direkten Beobachtungen des Benutzerverhaltens sowie Videoaufzeichnungen der Interaktionen wurden Befragungen zur Usability durchgeführt.

Ergebnis des Projekts ist ein integriertes HMI und Arbeitsplatzkonzept für Tower-Lotsen auf hoch frequentierten Flughäfen. Dieses HMI stellt u. a. Informationen zu An- und Abflügen gemeinsam und situationsgerecht dar und wird im neuen Tower des Frankfurter Flughafens zum Einsatz kommen. Ein wichtiger Erfolg ist dabei die hohe Akzeptanz der HMIs durch die Tower-Lotsen, welche dem Interface eine hohe Gebrauchstauglichkeit bescheinigen.

Das Folgeprojekt iPort, ebenfalls im Rahmen des 4. Luftfahrtforschungsprogramms, hat Anfang 2009 begonnen und wird neben weiteren Arbeitsplätzen und Systemen auch technische Lösungen für den Tower sowie Anzeigekonzepte und ihre Auswirkungen auf den Benutzer und seine mentalen Repräsentationen betrachten.

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