Nutzung und Informationsstrategie für ein Abstandsregelsystem mit erweiterten Funktionen bis zum Stillstand (ACC-Full Speed Range)

Forschungsschwerpunkt Fahrzeugergonomie

Nutzung und Informationsstrategie für ein Abstandsregelsystem mit erweiterten Funktionen bis zum Stillstand (ACC-Full Speed Range)

Projektbild

Hintergrund und Fragestellung

Die Erweiterung der Funktionsspannweite der neuen Generation von Abstandsregelsystemen (engl. Adaptive Cruise Control – ACC), die bis zum Stillstand mit wieder selbständigem Anfahren aktiv bleiben können, vereinfacht die Nutzung des Systems in einem urbanen Umfeld oder einem Stau. Dabei spielt das Verständnis des Fahrers über die durchgeführten Handlungen der Assistenzsysteme eine zentrale Rolle. Der Fahrer wird meistens mittels eines visuellen Displays über die Handlungen bzw. den Status von ACC-Systemen informiert. In gefährlichen Situationen wird ein zusätzliches auditives Signal gegeben. In dieser Studie sollte festgestellt werden, ob das für den Geschwindigkeitsbereich über 30km/h entwickelte Informationskonzept auch für den Niedriggeschwindigkeitsbereich mit anderen Fahrumgebungen geeignet ist.

Vorgehen

Am IAD wurden für die Untersuchung der Informationsstrategie der ACC Systeme zwei Serienfahrzeuge unterschiedlicher Hersteller im realen Verkehr mit Experten untersucht. Der Fokus dieser Studie liegt auf der Verwendbarkeit sowie der Informationsstrategie des ACC-FSR-Systems im Niedriggeschwindigkeitsbereich. Deshalb wurde die Versuchstrecke auf den innerstädtischen Bereich konzentriert, ergänzt durch Autobahnabschnitte, die oft Stau aufweisen. Videos von der Fahrumgebung und dem Kombiinstrument wurden aufgenommen und die Probanden wurden sowohl über Ihr Informationsverständnis und -bedürfnis, als auch über die Systemfunktionen befragt.

Ergebnisse

Die Videos liefern objektive Informationen zur Nutzung von ACC-FSR, während Fragebögen und Protokolle über die subjektiven Meinungen der Probanden und deren Begründungen informieren. Die Aktivierungsrate von ACC-FSR ist ein wichtiges Merkmal zur Feststellung, ob das System in Bezug auf Fahrsituationen unterschiedlich eingesetzt wird. Der Begriff „Aktivierung" bedeutet, dass während einer bestimmten Situation das ACC-FSR aktiv war. Weil die Probanden instruiert wurden, das ACC-FSR so oft wie möglich einzuschalten, wurde erwartet, dass niedrigere Aktivierungsraten ein Zeichen für Schwierigkeiten mit dem System implizieren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Aktivierungsraten von der Art der Straße sowie von der Fahrsituation abhängig sind. Auf Autobahnen haben die Probanden immer versucht das System einzuschalten, wobei in 50km/h- und 30km/h-Zonen im Durchschnitt über beide Systeme eine Aktivierungsrate von 87% (Mittelwert von System A und System B in Zone 50) bzw. 71% (Mittelwert von System A und System B in Zone 30) vorlag, was darauf hinweist, dass der Fahrer in 29% bzw. 13% der Fahrtsituationen ACC-FSR nicht aktiviert hat.

Projektbild

Basierend auf der Analyse der Nutzungsrate des ACC-FSR-Systems wurde festgestellt, dass die Art der Straße aufgrund der Geschwindigkeitsbegrenzungen (hier in drei Kategorien aufgeteilt: Autobahn, Zone 50km/h, Zone 30km/h), maßgeblichen Einfluss ausübt. Ursachen dafür liegen im Wesentlichen bei den funktionalen Grenzen des Systems im innerstädtischen Bereich und dem Informationsmangel über den aktuellen Systemzustand des ACC-Systems in Situationen in denen die visuelle Aufmerksamkeit nicht auf die anzeigen des Systems gerichtet werden können.

Mit den heutigen technischen Funktionsgrenzen der ACC-FSR Systeme ist eine Nutzung im innerstädtischen Bereich (speziell in der Zone 30) nur eingeschränkt möglich. Der Hauptnutzungsbereich bleibt die Autobahn, die durch die Erweiterung auf den Niedriggeschwindigkeitsbereich unter 30 km/h sinnvoll für den Stau ergänzt wird.

Veröffentlichungen

  • DIDIER, M.; SCHREIBER, M.; BRUDER, R.: Nutzung und Informationsstrategie für ein Abstandsregelsystem mit erweiterten Funktionen bis zum Stillstand (ACC-Full Speed Range) In: Useware 2008, 15.10. – 16.10.08, Baden Baden 2008, S. 105 – 118.
  • BRUDER, R.; ABENDROTH, B.; DIDIER, M.; SCHREIBER, M.; von WILAMOWITZ-MOELLENDORFF, M.: Safe and Pleasurable Human Machine Interfaces for Automobile, Convergence 2008, October 2008, Detroit, MI, USA, No. 2008-21-0005.