Ablauf- und Prozessoptimierung bei der optischen Endprüfung von Zifferblättern

Piktogramm Forschungschwerpunkt Arbeitsgestaltung/Arbeitsorganisation

Ablauf- und Prozessoptimierung bei der optischen Endprüfung von Zifferblättern

Hintergrund/Fragestellung

Zahlreiche Einflüsse auf den arbeitenden Menschen verändern ein Prüfergebnis und können ergonomisch gestaltet werden wie beispielsweise Greif- und Sichträume, Umgebungsbedingungen, Arbeitszeitgestaltung, Schwierigkeit der Prüfaufgabe u. v. m. Eine mangelhafte Arbeitsplatzgestaltung kann u. a. zu vermehrtem Prüfschlupf, Reduzierung der Zuverlässigkeit, Verringerung der Prozessqualität, Erhöhung des Zeitbedarfs, Unzufriedenheit, psychische Sättigung führen.

Die vorhandenen Arbeitsplätze zur Prüfung von Zifferblättern aus dem Fahrercockpit sollen nach neuesten ergonomischen Bedingungen hinsichtlich Arbeitsplatz, Arbeitsraum und Prüftätigkeit gestaltet werden.

Ziele hierbei sind:

  • Verbesserung der ergonomischen Bedingungen an den Prüfarbeitsplätzen
  • Reduzierung der Belastungen
  • Verbesserung des Prüfergebnisses
  • Reduzierung des Platzbedarfes

Methode

Die Bearbeitung des Projektes wurde in vier Module unterteilt:

Modul 1: Arbeitsplatzgestaltung

Die Arbeitsplatzgestaltung umfasst die ergonomische Anpassung der Form, der Abmessungen und der relativen Anordnungen einzelner Elemente des Prüfarbeitsplatzes (wie beispielsweise Arbeitsfläche, Stützflächen, Arbeitsmittel). Insbesondere sind hierbei die Körpergrößen und -bereiche zu beachten, die Funktionsräume (z.B. Greifraum, Sehraum), die Innen- und Außenmaße sowie die Körperstellungen.

Zur Neugestaltung der vorliegenden Endprüfarbeitsplätze wird in einem ersten Schritt ein Modellarbeitsplatz unter Berücksichtigung arbeitswissenschaftlicher Empfehlungen und der firmen- und arbeitsplatzspezifischen Notwendigkeiten entwickelt, aufgestellt und modifiziert. Hierbei ist es notwendig, die Erfahrungen und das Know-How der Beschäftigten einzubeziehen. Zum einen fördert dies die Akzeptanz der künftigen Arbeitsplätze und zum anderen können so im Vorfeld nützliche Änderungen am zukünftigen Arbeitsplatz vorgenommen werden. Der so entwickelte und realisierte Modellarbeitsplatz soll von mehreren Beschäftigten benutzt werden. Zur Beurteilung des Modellarbeitsplatzes gehen arbeitswissenschaftliche Aspekte, die Qualität des Prüfprozesses, die Beobachtungen der arbeitenden Frauen durch eine arbeitswissenschaftlich geschulte Person bei der Nutzung des Arbeitsplatzes sowie die Beurteilung der arbeitenden Frauen selbst ein. Notwendige Modifizierungen können während dieses Prozesses mehrfach vorgenommen werden.

Modul 2: Arbeitsraumgestaltung

Zur Optimierung der Arbeitsraumgestaltung im Sinne einer funktionalen Raumplanung gehören aus ergonomischer Sicht die folgenden Punkte:

  • Erfassung der Umgebungsbedingungen wie Klima, Lärm und Beleuchtung (Ist-Analyse)
  • Erfassung des Arbeitsablaufes und des Informationsflusses (Ist-Analyse)
  • Erfassung der Arbeits- und Kommunikationsbeziehungen (Ist-Analyse)
  • Erfassung der Vorstellungen hinsichtlich Raumbedarf, Personalbedarf, Flächenbedarf, Stellplatzbedarf (Soll-Analyse) unter besonderer Berücksichtigung der
    • Bedienungsflächen
    • Zugangs- und Bewegungsflächen
    • Verkehrs- und Fluchtwege
    • Mindestluftraum
      (vgl. u. a. auch Arbeitsstättenverordnung 2004)

  • Aufbau- und Ablaufplanung sowie Festlegung eines optimal möglichen Funktionsablaufes (z. B. Funktionsdiagramm) (Soll-Analyse)
  • in Überschneidung mit Modul 1 „Arbeitsplatzgestaltung" die Planung funktionsgerechten und ergonomischen Mobiliars
Projektbild
Eine vorgeschlagene Variante zur ergonomischen Gestaltung des Prüfarbeitsplatzes

Modul 3: Prüftätigkeit

Bei der vorliegenden Prüfaufgabe sind die folgenden Faktoren relevant:

Die Schwierigkeit der Prüfaufgabe wird durch die Anzahl der zu prüfenden Merkmale und der möglichen Prüfentscheidungen festgelegt. Somit ist die Anzahl der gleichzeitig zu prüfenden Merkmale, die zu erkennen sind bzw. auf die reagiert werden soll, auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Gleiches gilt für die mögliche Anzahl von Prüfentscheidungen und für die Klassifizierung von fehlerhaften Teilen.

Einen weiteren Einfluss auf die Prüfschwierigkeit hat die Art der Informationsverarbeitung während der Prüfung (Entdeckungsprüfung oder Toleranzprüfung).

Die Schwierigkeit der Prüfaufgabe kann ergonomisch gestaltet werden, beispielsweise durch Vorgabe fester Prüfkriterien oder durch die Anordnung und Gliederung der Prüfmerkmale.

Bei optischen Prüfvorgängen können ergonomisch ungünstige Körperhaltungen zu einem Anstieg der physischen Beanspruchung führen und zu einer Erhöhung der Fehlzeiten (vgl. hierzu Modul 1). Weitere besondere Beachtung muss der Gestaltung der Sehbedingungen gewidmet werden, denn die Augen sind bei der optischen Prüfung ausschlaggebend für die Prüfleistung (vgl. hierzu Modul 2).

Die vorliegende Prüftätigkeit zeichnet sich durch Monotonie aus und birgt die Gefahr der herabgesetzten Vigilanz in sich.

Die Prüfleistung und -qualität ist weiterhin von der Arbeitszeit abhängig. Hierbei ist insbesondere die Dauer der Arbeitszeit, die Lage der Arbeitszeit und die Pausenregelung zu beachten. Besonders der Pausenregelung sollte größte Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn in der Vigilanzforschung konnte nachgewiesen werden, dass nach ungefähr 35 bis 45 Minuten ununterbrochener Prüftätigkeit ein Leistungsabfall beginnt, der mit fortschreitender Dauer der Tätigkeit zunimmt. Diesem Leistungsabfall kann nicht nur durch Kurzpausen sondern auch durch die Ausübung einer anderen Tätigkeit entgegengewirkt werden.

Ein letzter, als nicht gering einzuschätzender Einflussfaktor auf die Prüfleistung, ist die prüfende Person selbst. Hier sind insbesondere Persönlichkeitsmerkmale, Einstellung zur Arbeit und die Eignung zu nennen.

Da die Einflussfaktoren „ungünstige Körperhaltungen„ und „Sehbedingungen“ bereits in den Modulen 1 und 2 bearbeitet werden, bleiben für das Modul 3 die folgenden Faktoren zur Bearbeitung:

  • Schwierigkeit der Prüfaufgabe
  • Monotonie/Vigilanz
  • Arbeitszeit
  • Prüfperson